War es das Zoom-Objektiv, das dem Schmalfilm zum Erfolg führte

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Das Fernrohr stellte schon vor der Einführung des Vario-Objektivs eines der beliebtesten optischen Geräte dar, die der normale Bürger nutzte, um Beobachtungen in der Ferne zu machen. So z. B. der Jäger, in seinem Revier.

Die Faszination, die Dinge heranzuholen und wenn es nur mit einem optischen Hilfsmittel sei, begeisterte seid der Erfindung des Fernrohrs. Angefangen hat es mit der Beobachtung der Sterne.

Andererseits ist eine Filmkamera im Grunde genommen die fortgesetzte Entwicklung eines Fotoapparates, bei dem die Bildaufnahme in kurzen und regelmäßigen Zeitabständen möglich wird. Daher kann auch gesagt werden, dass alle technischen Erkenntnisse, die die Fotografie mit Fotoapparaten machte, auch beim Bau von Filmkameras Einzug hielten.

Dass Weitwinkelobjektive gleichermaßen wie es die Tele-Objektive waren, an Filmkameras eingesetzt wurden, ist dem Zeitgeist zu verdanken. Ungeachtet des unterschiedlichen Aufbaus der Linsensysteme bedurfte es allerdings auch entsprechender Anschlüsse an Objektiv und Kamera. So entstanden die bekannten Varianten der sogenannten Bajonett-Anschlüsse, die nicht selten von Hersteller zu Herstellen, sei es vom Objektiv-Hersteller oder der Kamera-Hersteller markenspezifisch ausgelegt wurden. Kompatibilität zwischen den Marken war deshalb oft nicht gegeben.

Erst mit der Einführung besonderer Objektivsitze und somit sprichwörtlicher Konstruktionsmerkmale, wie es die Objektiv-Sitze an Fotoapparaten mit Gewinde M 38 oder M 42 waren, verbesserte sich die Kompatibilitätsfrage. Allerdings wurden automatische Einstellmöglichkeiten - wenn vorhanden - damit eingeschränkt.

Nach dem das Turret - eine revolvierende Objektivhalterung an Filmkameras - eingeführt wurde, konnte auch hier der Effekt eines Fernrohrs durch einfaches einschwenken geeigneter Linsen erreicht werden. Somit konnten auf wundersame Weise Filmszenen gedreht werden, die in weiter Entfernung lagen aber den Eindruck der unmittelbaren Nähe festhielten. Das Tele-Objektiv machte es möglich.

Den Aufbau eines Teleobjektivs hier zu beschreiben, würde diesen Beitrag in seiner Länge sprengen. Daher begnügen wir uns mit der Feststellung, dass lediglich eine geeignete Linse - Konverter - vor das Normalobjektiv der Filmkamera gestellt wird - ähnlich einer Vergrößerungslupe - die das optische Heranholen des Bildes erzielt.

Als wesentlich Komplexer erwiesen sich die Berechnungen der Linsensysteme für Vario-Objektive, jene Objektive die durch eine Veränderung der Brennweite Bilder ohne Unschärfen in jeder möglichen Brennweitenstellung abbilden. Besser ausgedrückt, Vario-Objektive sind Linsensysteme, deren Bennweitenverstellung Bilder von nah und fern ermöglichen. Im Volksmund werden diese Objektive auch Gummilinse genannt.

Erst 1929 gelang es Hugh Ivan Gramatzki, bei Siemens in Berlin das erste Vario-Objektiv zu entwickeln, welches unter dem Namen Transfokator bekannt wurde. Von Voigtländer wurde 1959 das Zoomar vorgestellt, welches in der klassischen Fotografie erfolgreich eingesetzt wurde. Aus Japan kamen, um 1961, die ersten Zoom-Objektive an Schmalfilmkameras. Die bekanntesten Hersteller, wie Yashica, Elmo u. a. führten sie ein. Somit war die Turret-Lösung technisch überholt, sodass eine neue Generation von Schmalfilmkameras im Normal 8 Format auf den Markt kam.

Ältere Modelle des Normal 8 Formats die mit schon mit einem C-Mountanschluss, wie es z. B. die Bolex-Kameras waren, boten sich an um Zoom-Objektive verschiedener Hersteller einsetzen zu können. Selbstredend mussten diese mit einem C-Mountgewinde ausgestattet sein. Der Gedanke der Reflex-Lösung bei diesen Zoom-Objektiven drängte sich förmlich auf, da der Reflex-Sucher das entsprechende Szenario sichtbar macht.

Bei Spiegelreflexkameras aus der klassischen Fotografie war es kein Problem, die Brennweite eines Vario-Objektivs so zu verstellen, wie es dem Standbild guttat. Anders bei Filmkameras, wo der Sucher die bewegte Szene dem Kameramann so anbieten muss. Daher bekam der Schmalfilmer noch vor der Einführung des Super 8 Formats die ersten Zoom-Objektive in Reflex-Ausführung vor 1965 und dies, obwohl es einer radikalen Umrüstung in der Fertigung der Super 8-Filmkameras bedurfte.

Ab 1965 wurden so gut wie alle neu gestalteten Amateurfilmkameras mit Zoom-Objektive auf den Markt gebracht. Mehr noch, der Aufbau dieser Objektive ermöglichte mit wenig Aufwand eine Abstufung der angebotenen Objektive, sodass unterschiedliche Brennweiten-Faktoren zur Verfügung standen. Es ermöglichte den Herstellern, Angebote zu machen, bei denen letztlich Filmkameras einer Serie, in 3 unterschiedlichen Varianten zur Auswahl standen.

Es wurden Vario-Objektive mit den Faktoren 3 oder 4, 6 und 8 zum Standard. Das heißt: Brennweiten, die vom Weitwinkel- bis in den Telebereich reichten, ermöglichten nun Zoomfahrten. Erst als der Schmalfilm-Boom, richtig in Fahrt kam, lieferten die großen Hersteller auch Modelle mit 10-Fachen oder 12-Fachen Brennweitefaktoren.

Diese sehr schwer gewordenen Objektive bescherten zwar dem Kameramann viel Spielraum, was die Zoom-Fahrten betraf, doch forderten die langen Brennweiten ein Stativ für die Kamera. Der kleinste Verwackler, machte sich entsprechend der eingestellten Vergrößerung bemerkbar, was dem Film letztlich nicht guttat.

Charakteristisch wurde, dies kann hier noch vermittelt werden: Aus der Modellbezeichnungen einer Filmkamera konnte selbst ein Laie sehr oft schon den Zoom-Faktor des Objektivs abgelesen. Da waren Brennweiten, von f = 8 - 48 mm für den Faktor 6 oder f = 7,5 - 60 mm für den Faktor 8 leicht zu erkennen. Bei den größeren Objektiven, die mit dem Faktor 10 oder 12, war es dann nicht mehr so leicht, die Modellbezeichnung zu entschlüsseln.

Das Vario-Objektiv wurde somit ein wichtiger Baustein in Kamerabau, mehr noch, es bestimmte auch die Bildqualität. Einige Marken schätzte man besonders. Da sind zu nennen, die Modelle mit den Objektiven der Objektivherstelle Schneider-Kreuznach, Angenieux, Nikon, oder von Shinsei Optical und Minolta. All diese fielen auf.




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