Das Problem der alten Schmalfilmkameras mit heutigem Film-Material.

Seit 2004 ist die Beschaffung von Super 8 Filmen so gravierend geworden, dass sich sehr vielen passionierte Schmalfilmer nicht nur deshalb, sondern auch aus Kostengründen bei der Beschaffung und Entwicklung der Filme umorientieren mussten. Aber wohin und in welche Richtung ? Nun, zu dieser Zeit - 2004 - gab es die ersten Digitalkameras, die auf einem Flash-Speicher - z. B. SD-Karte oder micoSD-Karte - durchaus schöne Filmchen ermöglichten und nicht nur das, auch konnten diese Clips leicht auf einem Computer, als Vorläufer der HDTV-Qualität von heute vorgeführt werden. Dass es dann noch andere Probleme für den Amateurfilmer gab, als nur eine kleine Videokamera in Händen zu halten, davon soll hier nicht die Rede sein.

Vielmehr wollen wir, den Super 8 Format treu gebliebenen Amateurfilmern, die noch immer eine Filmkamera im Schrank liegen haben und gelegentlich diese einzusetzen gedenken, die Problematik mit der Lichtempfindlichkeit, der heute (2018) noch angebotenen Filme, bzw. durch deren Einsatz auftretenden Folgen informieren.

Wie wir wissen, wurden die meisten Super 8/Single 8 Schmalfilm-Apparate mit einem Belichtungsmesser ausgestattet. In den Anfängen, um 1964/65 gab es noch einige Apparate die keinen Belichtungsmesser aufwiesen, es sind aber nur jene Billigangebote gewesen, sodass hier nicht darauf eingegangen werden muss. Die meisten Filmkameras mit Zoom-Objektiv wurden mit einer nach dem TTL-Prinzip arbeitenden Belichtungsmesseinrichtung ausgeliefert. Dies charakterisierte sich dadurch, dass eine gesonderte Batterie, eine sogenannte Knopfbatterie der PX-Gruppe, eingesetzt wurde, um den Belichtungsmesser mit Strom zu versorgen.

Hier waren es die Silberoxidzellen oder wenn es mehrere waren, Batterien, die in der Regel eine 1,35 V Spannung bzw. ein Vielfaches davon, 2,7 V bei 2 Zellen oder 4,05 V bei 3 Zellen lieferten. Die meisten Filmkameras mussten so den Belichtungsmesser mit Energie, getrennt vom Filmantrieb, versorgen, um sicherzustellen, dass die sensible Elektronik des Belichtungsmessers nicht durch Einschaltstörungen beim Filmstart verfehlte Werte einstellte.

Mit dem abflauenden Boom und letztlich dem Untergang des Schmalfilms, verschwanden auch die PX-Zellen vom Markt, sodass es sehr mühsam wurde, nochmals Ersatz dafür zu finden. Allerdings gab es zum Ende der 1970er Jahre schon Schmalfilmkameras - hauptsächlich die vom Typ, Tonfilm-Kamera - die den benötigten Strom für den eingebauten Belichtungsmesser aus dem zentralen Batteriepack abzeigte. Diese Batteriepakete bestanden meist aus 6 AA-Zellen und lieferten so 7,2 V bei Akku-Betrieb, bzw. 9 V, setzte man Alkali/Mangan-Zellen ein.

War man nun genötigt eine PX-Zelle zu erneuern, stand man vor dem Problem, dass die nun angebotenen Knopfzellen eine andere Spannung und andere äußere Abmessung aufwiesen. Folglich, nicht mehr in den vorgesehenen Behälter der Belichtungsmesserbatterie der Kamera passten. Findige Amateure (sehr häufig waren es Angebote aus Groß Britannien) boten einen Adapter inkl. Zelle an, womit sowohl eine reduzierte aber korrekte Spannung erreicht wurde und die Adapter im alten Batteriebehälter seinen geordneten Platz fand.

Mit dieser Lösung konnte noch so mancher Filmer sein Glück machen. Anders sah es aus, als die großen Filmhersteller (Kodak, Agfa, Fujifilm u. a.) die Produktion der Super 8 Filme einschließlich deren Entwicklung einstellten. Nun musste man sich mit Rohfilmen der verbliebenen Filmsorten abfinden, die meist nur angeboten, bei größeren Bestellmengen, auftragsgebunden konfektioniert wurden.

Hatte man gerade die Problematik mit dem Belichtungsmesser und seiner Stromversorgung gelöst, so galt es jetzt, die Lichtempfindlichkeit der Filme zu berücksichtigen.

Die Zeiten des legendären K 40 Kunstlicht-Films, dem 40 ASA von Kodak oder 17° nach DIN, der zum Standard des Farbfilm-Materials im Super 8 Format wurde, waren endgültig vorbei. Es kamen auf einmal, nur noch Filme in 50 ASA, 64 ASA, 125 und 160 ASA auf den Markt, da es weltweit keine Entwicklungslabors mehr gab, die diesen Kodak-Film entwickeln konnten. Zum Jahresende 2010, wurde das letzte Labor für K40 Kodak-Filme in den USA geschlossen.

Nebenbemerkung: Die DIN-Normungen, nach denen die Lichtempfindlichkeiten von Filmen, sowohl für Negativ- wie auch für Umkehrfilme eingehalten wurden, erfuhren auch mehrere Veränderungen bzw. Anpassungen im Laufe der Jahre: Heute gelten die Normungen, nach ISO (Internationale Organisation für Normung, mit Sitz in Genf).

Die digitalisierte Welt domminierte bereits ab 2005 die Welt der Fotografie. Der chemische Film fristet seither nur noch ein Schattendasein in der Amateurfilmszene. Fachbetriebe, Spezialisten ihre Zunft, die sich bis heute über Wasser gehalten haben, bieten nun Super 8 Filme an, die da heißen Adox Kodak, Wittner-Film oder ähnliche, alles Produkte, die eine andere Lichtempfindlichkeit aufweisen, als es der 40 ASA war, auf den die Filmkameras justiert waren. Folglich sind die gedrehten Szenen, wenn man nicht die Veränderungen mit der manuell einstellbaren Blende berücksichtigt, meistens überbelichtet.

50 ASA könnte man ja notfalls noch vertragen, so der S/W-Film in ISO 50/18 von Wittner, Typ PXR 50 D als Tageslichtfilm ohne Filter, doch höhere Lichtempfindlichkeiten sind nicht mehr zu akzeptieren, ohne wesentliche Veränderungen an Kamera und Belichtungsmesser. Womit sich ein nicht unbedeutendes Problem für jeden Besitzer einer Schmalfilmkamera auftut. Denn diese Frage steht nun ummittelbar im Raum. Welche Schmalfilmkamera ist noch geeignet, um mit heutigem Film-Material eingesteht zu werden ? Und: Welche Kamera kann man ohne großartige technische Manipulation, noch einsetzten, will man eine erträgliche Bildqualität herausbekommen ?

Andere Filmsorten, die heute noch in Super 8 konfektionierten Kassetten geliefert werden, sind da schon anspruchsvoller, was die Belichtung betrifft. Oft ist der Kunstlichtfilter nicht mehr einsetzbar und die Automatik zur Belichtungsmessung muss ausgeschaltet sein. Mit der Folge: Ein externer Belichtungsmesser hat jede einzelne Szenenausleuchtung zu erfassen und diese Ergebnisse sind manuell an der Filmkamera einzustellen, will man eine angepasste Belichtung ohne Überraschungen erreichen. Wichtig dabei bleibt, die behutsame Kameraführung, um Veränderungen der Lichtverhältnisse langsam überführen zu können.

Beachtet man die neuen Bedingungen für die richtige Blendeneinstellung, so kann nur geraten werden, einen Probefilm zu opfern, der durch akribisch schriftlich festgehaltener Detailangaben zur Filmszen die Verhältnisse der erfasst und wiedergibt. Eine allg. Empfehlung kann kaum noch gegeben werden, denn ob nun die Blende um 2/3 je ISO-Wert zusätzlich geschlossen werden muss oder etwas vielleicht doch etwas mehr, wäre sehr riskant.

Auf keinen Fall geben verdunkelnde Filter vor dem Objektiv die Lösung her. Man erinnere sich: TTL ist eine Lichtmessung hinter dem Objektiv, sodass jeder Filter die Blendenautomatik geradezu ins Gegenteil beeinflussen würde und eine Überbelichtung als Indiz dafür unweigerlich das Ergebnis wäre.






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