Wie war dass noch mal mit der Perspektive ?

Für uns ist heute der Begriff Perspektive ein Allerweltsbegriff, den wir beispielsweise in der Umgangsprache als den Tatbestand des Blickwinkels vom Standort aus, in eine bestimmte Richtung werfend, begreifen. Schon allein diese Formulierung trifft den Kern des Wortes, nämlich den, der des Durchblicks. Schon in sehr früheren Zeiten beschäftigte man sich in der Malerei mit Darstellungen, die der Perspektive gehorchten. Das konnte mit den Entdeckungen der umfangreichen Darstellungen, in den Grotten von Chauvent (Frankreich) nachgewiesen werden. So betrachtet ist die Perspektive eine Darstellungsform der räumlich wirkenden Objekte auf einer ebenen Fläche.

Dies mag einfach klingen, ist aber nicht ganz so trivial, wie es scheint. Denn die Menschheit brauchte doch noch einige Jahrtausende, um zu erkennen, was dahinter steht. Filipo Brunelleschi (1377-1446) war nicht nur Architekt und Bildhauer, er war auch Mathematiker und somit der Entdecker der konstruierbaren Perspektive, was durch seine berühmt gewordenen Tafeln an der Piazza della Signoria (1410) sichtbar wurde und heute in Florenz noch bewundert werden kann.

Ab hier offenbarte sich den Künstlern, in der Malerei, die Zentralrespektive, was immer mehr durch die gewonnenen Erkenntnisse gefestigt wurde, wusste man um die Beobachtungen des Strahlengangs in der Camera Oscura, die wesentlich an den Fortschritt beitrug, dass Darstellungen nun auch mit Perspektiven entstanden, also dem Betrachter ein Raumgefühl vermittelten.

Durch die Darstellenden Geometrie, die ein Teilbereich der klassischen Geometrie ist, wurde mittels geometrisch-konstruktiver Methoden, Projektionen dreidimensionaler Objekte auf zweidimensionale Ebenen erreicht. Dabei werden alle Aspekte der Perspektive erfasst, die ebenso die Gesetzmäßigkeiten der Optik einbeziehen.

Darstellungen, die der Perspektive folgen, können sehr unterschiedlich sein und somit ihr konstruktiver Aufbau. Daher sei hier noch kurz erwähnt, welche Arten von Perspektiven am häufigsten in der Fotografie vorkommen.

Da ist es die Zentralprojektion, die eine besondere Form der Fluchtpunktperspektive darstellt. Sie ist sehr häufig in der Architektur, auf technischen Zeichnungen des Maschinenbaus und in der Malerei eingesetzt bzw. zu finden und bildet sich ebenso aus, auf Fotografien wie auch auf allen Laufbildern eines Films.

Im letzteren Fall ist die Physik der Optik von wesentlicher Bedeutung, denn die Geometrie der Linsen in einem optischen System, erzeugt das Bild, welches wiederum den mathematischen Regeln folgt, nämlich die, die der darstellenden Geometrie entsprechen. Der Eindruck der räumlichen Gestaltung, wird durch die Perspektive war.

Hier nun, in der Fotografie bzw. der Kinematografie, wo die Bewegungen der aufnehmenden Apparate zur Erzeugung von Bildern ein System bilden, sind deren Objektive, also die Linsensysteme der Apparate, die Augen, eines Betrachters und deren Ergebnisse bringen die Gesetzmäßigkeiten der Perspektiven den Effekt auf den Punkt, nämlich auf die Fläche als Bild. So wird es auch möglich aus jeder dargestellten Abbildung, die in einem Fotoapparat oder einer Filmkamera entstanden ist, über den Fluchtpunkt und aller sich daraus ergebenen Strahlen, vorrausgesetzt die Objektivbrennweite ist bekannt, die Entfernungen der abgebildeten Gegenstände und somit ihrer Masse, mathematisch zu ermitteln.

An Amateurfilmkameras, wird seit 1960 mehrheitlich ein sogenanntes Vario-Objektiv (Zoom-Objektiv) eingesetzt, welches die Brennweite des optischen System auf einfache Weise verändern lässt, ohne einen Wechsel des Objektivs vorzunehmen zu müssen. Damit erreicht man, dass die Brennweite, in der Regel zwischen dem so bezeichneten Weitwinkel- und dem Tele-Bereich verstellbar ist. Der Volksmund sagt: Mit eine Gummilinse eine Fahrt machen.

Diese Brennweitenveränderung - die Zoom-Fahrt - ermöglicht eine schnelle Perspektivveränderung, die z. B. im Weitwinkelbereich beginnt, wo der Fluchtpunkt in die Ferne liegt und endet im Telebereich, wo der Eindruck des nahe liegenden Fluchtpunkts die Szene verkürzt erscheinen lässt. Diese Tatsache, verschafft so manchem Regisseur gleichermaßen einen gestalterischen Effekt, den er, wenn gekonnt eingesetzt, hervorheben kann. Nicht zu verwechseln mit der Bildausschnittsvergrößerung bei der Nahaufnahme, die unmittelbar vor der Linse der Kamera erfolgt oder jener Nahaufnahme, die durch Einsetzen der geeigneteren Brennweite eines Objektivs erreicht wird.

So wird klar, warum in einem Film die Szenen weitgehend mit der gleichen bzw. annähernd der gleichen Brennweiteneinstellung am Objektiv gefilmt werden sollten. Dies damit der Eindruck, den der Betrachter letztlich erfährt, nicht durch stete Perspektivveränderungen irritierend wirkt. Was nicht heißen soll, dass Filmszenen die mit der Einstellung im extremen Telebereich aufgenommen werden, immer als störend auffallen müssen.

Wie kam es nun dazu, den Effekt der Perspektive zu zeichnen und so der Eindruck der Tiefe im Bild entstehn zu lassen.

Es war Anfang des 15. Jahrhunderts als man in der Architektur Überlegungen anstellte die Gebäudeentwürfe, so Leon Battista Alberti (1404-1472) mit Hilfe von Fadengittern, Zeichnungen anfertigte, die das Gebäude in der Perspektive darstellte. Ohne Zuhilfenahme einer solchen Perspektivhilfe, wie das Velum genannt wurde, war es kaum möglich eine annähernd realistische Darstellung des Objekts zu zeichnen. In seinem Buch 'Delle Pittura' beschrieb A. diese Perspektivhilfe, welche schließlich von A. Dürer (dann erst 1525) in einem Holzschnitt dargestellt wurde und somit zur Verbreitung des Fadengitters und seiner Anwendung beitrug.

Die mathematischen Überlegungen, die sich in der darstellenden Geometrie wiederfinden, ermöglichen nun alle denkbaren Perspektiven und ihre Projektionen, zeichnerisch umzusetzen. Unter dem Begriff der Zentralprojektion finden wir auch die Darstellungen wieder, die der Film uns bieten kann.

So sind unter der Zentralprojektion die verschiedenen Perspektiven angesiedelt.


    Die Zentralperspektive.
    Die Froschperspektive.
    Die Vogelperspektive.
    Die Übereckperspektive.


Wie es der Film auch wiedergibt, so sind auch, wendet man die Methoden der darstellenden Geometrie an, Spiegelungen und Schattenbildung machbar. Man kann also festhalten, was auf dem Zeichenbrett konstruiert werden kann, kann auch von einem fotografisch erfassten Bild zurückverfolgt werden. Es ist es also kein Geheimnis mehr, wie ein räumliches Empfinden durch die Perspektive zustande kommt.






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